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Zitadellenschüler hörten von Zerstörung und Wiederaufbau Jülichs vor 70 Jahren

Mit Frau Gerta Mojert konnten die meist siebzehnjährigen Schülerinnen und Schüler des Projektkurses „Jülich 1944-1947“ unter Leitung von Herrn Dirk Neumann vor den Sommerferien eine weitere Zeitzeugin zu dieser wichtigen Zäsur der Stadtgeschichte begrüßen. Schon im März hatten sich sechs Jülicher Bürger eingefunden, um von ihren Kriegserlebnissen 1944 und ihrem Leben in der zerstörten Stadt nach Kriegsende zu berichten.

Zeitzeugin Gerta Mojert [1]

Auf der Basis der ausgewerteten Ergebnisse jenes Tages lud Herr Neumann Frau Mojert ein, um ihre Sicht der Zerstörung und des Wiederaufbaus zu schildern. Diese Einladung erfolgte, da Frau Mojert ein gleichnamiges Buch zu den Trümmerfrauen in Jülich geschrieben hat. Dessen Kernthese – Jülicher Frauen haben maßgeblich ihren Anteil dazu beigetragen, die Herzogstadt nach der fast kompletten Zerstörung 1944 und 1945 zu entschutten und wiederaufzubauen – ist seit der Kontroverse um die Errichtung eines Denkmals für die Trümmerfrauen vor circa 20 Jahren immer wieder Anlass für Diskussionen. Im März hatten dazu einzelne Interviewte die Bedeutung der Trümmerfrauen für den Wiederaufbau verneint oder als gering bemessen.

Die Jugendlichen waren gespannt, Frau Mojerts Position zu dieser Kontroverse kennenzulernen. Dazu las sie aus mehreren Passagen ihres Buches vor, in der ihre Mutter, aber auch andere Jülicher Bürgerinnen und Bürger zu Wort kamen. Auf der Grundlage solcher Erzählungen gewannen die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihrem Lehrer den Eindruck, dass Frauen substantiell an der Entschuttung, also Räumung der Straßen und Abbruch von Häuserruinen, und am Wiederaufbau mitgewirkt haben, etwa durch das Abschlagen von Ziegelsteinen. Die im Buch abgedruckte Ehrenkarte ist als Beweis dafür zu sehen, dass Männer wie Frauen für solch harte körperliche Arbeit abkommandiert wurden. So wurden solche arbeitsfähigen Personen beiderlei Geschlechts verpflichtet, die keine geregelte Arbeit nachweisen konnten. Als „Dank“ erwarben sie sich ein Anrecht auf den Erhalt von Lebensmittelkarten.

Gleichwohl erkannten die Zuhörer, dass für ein Beilegen dieser Jülicher Kontroverse weitere Quellen, etwa aus der Verwaltung der Alliierten und der Zivilverwaltung, hilfreich wären, was auf Grund der besonderen Zeit damals ein sehr schwieriges Unterfangen bleibt.

Im Laufe der gut anderthalb Stunden entstand so ein reger Austausch zwischen den Generationen, der durch zahlreiche Illustrationen und Anekdoten zu dem Leben von Frau Mojert auf anschauliche und interessante Weise ergänzt wurde. Am Ende des Nachmittags hatten die Schülerinnen und Schüler das Gefühl bekommen, wieder einmal mehr über ihre Heimatstadt bzw. Ort ihrer Schule erfahren zu haben.

Dirk Neumann