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Kinder- und Jugendzentrum in Tanguá

Liebe Freunde und Unterstützer von AIDA e.V. und der Kinder in Tanguá,

gegen Ende des Jahres möchten wir Ihnen ganz herzlich für Ihr Interesse an St. Antons Kinder- und Jugendzentrum danken. Ihre großzügige und treue Unterstützung haben es möglich gemacht, dieses Projekt über all die Jahre zu erhalten.

Seit Drucklegung des AIDA-Kalenders 2015 hat sich – angepasst an die dortige Situation – eine gravierende Veränderung ergeben, die wir als sinnvoll und positiv betrachten und von der wir Ihnen gerne berichten möchten.

Wie bereits im letzten Rundbrief und auch im Kalender 2015 erwähnt, ist es seit langem das Bestreben von Sefras, der Franziskanerorganisation vor Ort, die St. Antons Kinder- und Jugendzentrum leitet, den brasilianischen Staat stärker zur Übernahme von Verantwortung und Kosten für „seine“ Kinder zu bewegen. Hier hat sich in der jüngsten Vergangenheit tatsächlich viel getan: Der Druck der Regierung auf die Gemeinden hat vielerorts in Brasilien dazu geführt, dass staatliche Institutionen geschaffen wurden, die sich vernachlässigter, misshandelter und anderweitig benachteiligter Kinder annehmen. Eine sehr positive und längst überfällige Entwicklung!


Dies führt natürlich dazu, dass der Jugendrichter Kinder und Jugendliche den nun entstandenen staatlichen Einrichtungen zuweist und nicht mehr St. Antons Kinder- und Jugendzentrum und anderen ähnlichen Projekten. Angesichts der unvermindert großen Not vieler Kinder und Jugendlicher in Brasilien steht es für Sefras und AIDA e.V. außer Frage, dass unsere Hilfe – und Ihre Unterstützung als Spender – trotzdem weiter dringend benötigt wird und wir uns nun schlicht den geänderten Verhältnissen anpassen und in Teilen neu orientieren müssen. Vergleichbare Organisationen reagierten ebenfalls auf die veränderte Situation. „Kinderdorf Rio“ z.B. änderte nicht nur seinen Namen in „Kinder in Rio“, sondern passte auch sein Konzept an. Einige Institutionen haben einfach geschlossen, was für Sefras und AIDA e.V. angesichts der nach wie vor bestehenden Not nicht in Frage kommt.

Frei José Francisco, der Leiter von Sefras, der alle Entwicklungen vor Ort hautnah und unmittelbar mitbekommt, informierte uns bei seinem Besuch in Deutschland im Oktober umfassend über sämtliche Geschehnisse und Hintergründe.

Er kennt die Situation bereits aus São Paulo, wo er ein ähnliches Projekt wie St. Antons Kinder- und Jugendzentrum leitet: Die Kinder und Jugendlichen aus zerrütteten Familien sind dort gleichfalls mitt-lerweile in staatlichen Betreuungseinrichtungen untergebracht. Für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen aus den allerärmsten Verhältnissen, die weiterhin in ihren Familien leben, gibt es aber kaum Unterstützung. Der Bedarf ist hier jedoch enorm groß und Hilfedringend nötig, nicht zuletzt, um diese Kinder „von der Straße zu holen“, wo sie nur allzu leicht in Kontakt mit Drogen, Gewalt und Kriminalität kommen. Deshalb hat man die dortige Einrichtung dergestalt umstrukturiert, dass nun ca. 150 Kinder aus den ärmsten sozialen Verhältnissen tagsüber Betreuung erhalten. Der Zulauf ist riesig, die Erfahrungen, von denen Frei José Francisco uns detailliert berichtet hat, sind ausnahmslos positiv. Bei ersten Sondierungsgesprächen mit kommunalen Verantwortlichen in Tanguá wurde bestätigt, dass auch dort erheblicher und sehr dringlicher Bedarf für eine derartige Tagesbetreuung besteht. Eine vergleichbare Einrichtung gibt es weder in Tanguá noch in den Nachbargemeinden und ist von staatlicher Seite auch in absehbarer Zeit nicht geplant. Unsere Initiative wird daher sehr begrüßt.

Dank des Engagements von Frei José Franciscokönnen nach dem neuen Konzept schon nach dem Ende der großen Schulferien im Februar Schulkinder auf das Gelände von St. Antons Kinder- und Jugendzentrum kommen.

Die ersten notwendigen Maßnahmen – wie längst überfällige Renovierungen an Gebäuden, Abspra-chen mit den beteiligten Behörden und Institutionen usw. – sind bereits veranlasst. Bis dahin werden die noch in Tanguá verbliebenen Kinder den neuen örtlichen Institutionen übergeben.

Da in Brasilien der Schulunterricht in Vormittags- und Nachmittagsgruppen aufgeteilt ist, dürfen je-weils bis zu 60 der ärmsten Kinder an der Betreuung teilnehmen. Es gibt Hausaufgabenbetreuung, sportliche, kulturelle und künstlerische Betätigungsmöglichkeiten und vieles mehr. Die „Vormittags-kinder“ erhalten daneben Frühstück und Mittagessen, die „Nachmittagskinder“ einen Snack am Nachmittag und ein Abendessen. Die Gemeinde Tanguá sieht einen immensen Bedarf für ein solches Angebot und hat daher bereits zugesagt, den Transport der Kinder zu St. Antons Kinder- und Jugendzentrum mit Bussen zu gewährleisten. Die Schulen garantieren, dass tatsächlich nur Kinder aus den sozial schwächsten Familien diese Möglichkeit, die sie sich sonst niemals leisten können, erhalten. Die Betreuung ist an den regelmäßigen Schulbesuch gebunden.

Praktisch bedeutet die Neuausrichtung von St. Antons Kinder- und Jugendzentrum für Sefras und AIDA e.V. zunächst, dass die personal- und damit kostenintensive 24-Stunden-Betreuung entfällt.
Die Ausgaben pro Kind sinken auf ca. 11% (!) der bisherigen Kosten – so die Erfahrung von Frei José Francisco mit dem Projekt in São Paulo, wobei dort die Personalkosten höher als in Tanguá anzu-setzen sind. Das Angebot von St. Antons Kinder- und Jugendzentrum erreicht damit deutlich mehr Kinder als bisher und gibt ihnen eine Chance auf Fürsorge und Betreuung.

Wie Sie, liebe Freunde und Unterstützer von AIDA e.V., sehen, befinden wir uns in einer sehr ereig-nisreichen und spannenden Zeit des Umbruchs.

Mit unverminderter Energie und größtem Engagement sowie mit der Hoffnung, dass Sie, liebe Spender, trotz des wesentlich geänderten Konzepts dieses Projekt wie bisher unterstützen, arbeiten wir weiter daran, bedürftigen Kindern und Jugendlichen in Brasilien eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Im Februar 2015 werde ich voraussichtlich wieder nach Brasilien fliegen und sehen, wie sich das „neue“ St. Antons Kinder- und Jugendzentrum entwickelt hat. Wir sind sehr gespannt und werden Ihnen davon berichten.

Mit herzlichen Grüßen und den besten Wünschen für eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein glückliches und gutes neues Jahr 2015
Dr. Steffen Barreto da Rosa
Stellv. Vorsitzender