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Ren Rong macht Schule

[1]Die Ausstellung „Ren Rong – Dialog der Weltkul­turen“ im Renaissancegarten unserer Schule wur­de im Kunstunterricht gerne aufgegriffen. Erste fas­zinierende und sehr viel­fältige Gestaltungs­er­geb­nis­se der Stufen 5, 6, EF und Q1 sind jetzt an der Fensterfront des In­stitutgebäudes zu bestau­nen.
Die Pflanzenmenschen Ren Rongs inspirierten die Klasse 5e zu eigenen Erfindungen, die jeweils eine menschliche Eigenschaft haben sollten. Hier gibt es u.a. sehende, tanzende, fressende, kämpfende, greifende Pflanzen zu sehen.

Beim Fertigen des Entwurfs kam es auf formatfüllendes Zeichnen an, so als sei das Gewächs in eine Box eingesperrt. Eingebunden in das Thema „Farbreise“ festigte die Klasse hier ihre gemachten Erfahrungen in der Aquarelliertechnik und experimentierte mit Farbverläufen. Die fertigen Aquarelle wurden ausgeschnitten und dann mit etwas Ab­stand auf einen Untergrund montiert. Die 27 kleinformatigen Schülerarbeiten zeugen von der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und sind allesamt gerahmt in der Ausstellung zu bewundern.

In der Klasse 6a wurde das Thema plastisch umgesetzt. Mit Hilfe von Zeitungspapier und Tapetenkleister entstanden große, allansichtige Pflanzengebilde, die sich bunt an­ge­malt präsentieren. Auf witzige Weise starren aus Blütenblättern Fortpflanzungsorgane (massive Staub­fäden) mit echten Glasaugen heraus; unzählige Blicke son­nen­blumenartiger Blütenscheiben richten sich auf den Betrachter. Bemerkenswert ist ein Vertreter der Kaktusfamilie, der nicht allein durch seine enorme Größe herausragt.

Die Klasse 6d beschäftigte sich mit dem Thema Ren Rong zunächst ganz praktisch. Ausgehend von Skizzen zum Thema Pflanzenmenschen wanderten wir in den Wald. Dort sammelten die Kinder abgestorbenes Pflanzenmaterial, aus dem die Schülerinnen und Schüler in Gruppen das Skelett ihres Pflanzenmenschen bauten. Dabei stellten sich ganz automatisch Fragen der Gestaltung und Statik – sowie der Realisierbarkeit der Entwürfe. Nicht selten führte dies zu hitzigen Gruppendebatten, welche schließlich in ei­gen­willige und teils überlebensgroßen Pflanzenmenschen mündeten, die nun wie ein­ge­sperrt durch ein Fenster der Ausstellung blicken. Der gewonnene Erfahrungsschatz bietet nun die Grundlage der Rezeption von Ren Rongs „Pflanzenmenschen“. Bei so intensiver Auseinandersetzung mit den Kernfragen der plastischen Gestaltung sollte dies den Kindern keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr bereiten.

Die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe EF haben sich ausgehend von Ren Rongs „Dialog der Weltkulturen“ sowohl zeichnerisch als auch plastisch mit den Stahl­stelen im Schlossgarten der Zitadelle in Jülich auseinandergesetzt. Zunächst näherten sich die Schülerinnen und Schüler dem Werk in Form einer Frottage. Als Ausgangs­punk­te dienten Bildausschnitte in Ren Rongs Stahlstelen. Die fer­tigen Bildausschnitte der Stelen wurden von den Lernenden zeichnerisch auf individuelle Art ergänzt, und dadurch eine ganz persönliche Auseinandersetzung mit dem Begriff „Kultur“ unternommen wurde. Im nächsten Schritt wurden die Zeichnungen in die Dreidimensio­na­li­tät überführt. Die Schülerinnen und Schüler schnitten dazu ihre Zeichnung aus und legten sie als Schablone auf eine Tonplatte. Auf diese Weise konnte sowohl die curriculare Vorgabe „Die plastische Form im Raum“ umgesetzt werden, als auch eine wirklich sehenswerte künstlerische Anlehnung an Ren Rongs Werk stattfinden.

In einem anderen Kurs der Jahrgangsstufe EF behandelten die Lernenden als zentrales Thema in der Kunst Ren Rongs die Metamorphose. Das antragende bzw. plastische Arbeiten mit Ton übten die Schülerinnen und Schüler ausgehend von der Form des menschlichen Kopfes und modellierten jeweils das Zwischenstadium einer Meta­mor­phose. Dabei stolperten die Lernenden immer wieder über die Eigenschaften und Eigenheiten des Werkstoffes Ton – und mussten zuletzt tagelang auf ihre Er­zeu­gnisse warten, bis diese zunächst getrocknet und dann gebrannt waren. Während dieser Zeit entstanden auf der Basis von Zeichnungen von Ren Rongs Stahlstelen Ideen zu Scherenschnitten mit Motiven aus der eigenen Lebenswelt. Einige der entstandenen Scheren­schnitte, die „Metamorphosen-Köpfe“ sowie aus Ton modellierte Hände (ent­standen in der Jgst. Q1 während der Auseinandersetzung mit dem Motiv Hand und deren Variationen) sind in der Ausstellung zu sehen.

Als vorläufiges Fazit der Begegnung mit der Kunst Ren Rongs kann festgehalten werden: Die Ausstellung inspiriert, motiviert und erzeugt kreative Auseinandersetzungen fast von selbst. Der direkte Blick auf hochkarätige skulpturale Kunst ist für die Schülerinnen und Schüler in ihrem Lebensumfeld selten und äußerst lehrreich. Er macht die Kunst und alles, was damit zusammenhängt, nicht nur im wörtlichen Sinne begreifbarer.

A. Loup (i.A. der Fachschaftt Kunst)