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Kleine Künstler in die Fußgängerzone geholt

[1]Kunstinteressierte Passanten blieben erfreut stehen, als sie am Dienstag rege Aktivitäten in einem leer stehenden La­den­lokal auf der Düsseldorfer Straße Nr. 4 wahrnahmen. Hier werden bis zu den Herbstferien Kunstwerke von 11- bis 12-jährigen Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Zitadelle zu sehen sein. Sie waren in der Auseinandersetzung mit der Ausstellung „Dialog der Weltkulturen“ im Renais­san­ce­garten der Zitadelle entstanden. Dank des Engagements des Ehepaares Marita und Georg Loven von der Galerie Zitadelle hat der chinesische Künstler Ren Rong hier 22 Eisenstelen ausgestellt, die die Schüler magisch anzogen.

Die Idee entstand, als sich der Puppenaugen-bestückte Riesenkaktus von Jonas und Johannes wegen seiner Größe als schwer ausstellbar erwies. „Das wäre eigentlich ein Objekt für eines der verlassenen Geschäftsräume in Jülichs Innenstadt“, sinnierte Kunst­lehrerin Roswitha Scheepers bei der Aus­stell­ungs­eröffnung von Ren Rong-inspirierten Schülerarbeiten am Ende des letzten Schuljahres. Mariele Egberts griff den Impuls auf und schaffte es tatsächlich, die Genehmigung zur Nutzung eines ent­sprech­enden Laden­lokals vom Kreis Düren zu erhalten – und nicht nur der Kaktus findet hier Beachtung.

Zu weiteren ungewöhnlichen Pflanzen der Klasse 6a gesellen sich gerahmte Sche­ren­schnitt-Aquarelle der ehemaligen Klasse 5e. Daneben sind unter dem Titel „Hoch hinaus und mit Schwung nach unten“ weiße Murmelbahnen der 6b des vergangenen Schuljahres ausgestellt. Ähnlich wie Ren Rongs Stelen sind diese nicht farbig gefasst, um nicht von der Form abzulenken. Das Schaufenster wird effektvoll flankiert von sogenannten „Ren Rong Rubbings“, Frottagen von Schülern der Klasse 6a, die sich den Stelen im Renaissancegarten auch durch das Abrubbeln interessanter Details genähert haben.

[2]Freundliche Hilfe bei der Aktion erfuhren die beiden inzwischen pensionierten Lehrer­innen von der benachbarten Galerie an der Zitadelle, die nicht nur warmes Wasser zum Fensterputzen bereitstellte. Galerist Georg Loven spendete spontan einen leuchtend grünen Belag für die Fensterbänke, auf dem die Objekte sehr schön zur Geltung kommen. Am 14. Oktober kommt der Künstler Ren Rong wieder nach Jülich. Er wird dann auch die durch ihn inspirierten Werke in Augenschein nehmen.

Der Kreis Düren hatte das leerstehende Ladenlokal ganz unbü­ro­kratisch und unkom­pli­ziert zur Verfügung gestellt. Vorher hatte ein anderer Ladenbesitzer abgelehnt. Das fanden die beiden Organisatorinnen schade, „denn ähnliche Aktionen von Vereinen oder Schulen würden doch zur Verhinderung einer verwaisten Innenstadt beitragen“. Am 2. November muss die Ausstellung abgeräumt sein, denn dann wird der Gebäudekomplex abgerissen und dem Neubau für das „Kleine Kreishaus“ weichen.

M. Egberts und R. Scheepers