Beratung zum Schulwechsel auf eine weiterführende Schule
Was man oft hört, sollte man doch hinterfragen, liebe Eltern.
Sieben Sätze hören wir immer wieder, die uns nicht überzeugen.
Nehmen Sie sich bitte die Zeit, unsere Antworten darauf zu lesen.
Denn uns geht es – wie Ihnen – um eine gute Zukunft für Ihr Kind.
1. “Das soll mein Kind selber entscheiden!”
Eindeutig Nein: Sie können diese Entscheidung nicht Ihrem Kind überlassen, denn es kann nicht in aller Tragweite wissen, über was es entscheidet. Es ist an Ihnen, verantwortlich zu entscheiden; Ihr Kind darf mitentscheiden. Aber Sie wissen (nach Erfahrung und Information) besser als Ihr Kind, was auf es (und übrigens auch auf Sie!) zukommt und Sie kennen die Möglichkeiten Ihres Kindes besser als es selbst. Wenn Ihr Kind eines Tages die Schule hinter sich hat, mag es Sie fragen, was Sie sich dabei gedacht haben, ihm nachgegeben zu haben. Wenn Sie jetzt eine verantwortliche Entscheidung für Ihr Kind treffen, wird das gut so sein.
2. “Ich kann mein Kind doch nicht zu dieser Schule schicken, wenn alle Freundinnen und Freunde zu einer anderen Schule gehen!”
Doch! Die Erfahrung zeigt, dass Grundschulfreundschaften in die Brüche gehen, wenn es zu großen Unterschieden in der schulischen Leistung kommt. Leistungsstarke Kinder schließen sich oft mit ähnlich leistungsstarken Kindern zusammen; nicht deshalb, weil sich «gut» und «gut» gern gesellen, sondern weil diese Kinder oft gemeinsame Interessen haben – aber vor allem mehr Freizeit, weil sie die Schule locker erledigen. Andererseits finden fast alle Kinder auf der neuen Schule leicht Kontakte zu neuen Freunden in ähnlicher Lage. Bedenken Sie: Die Grundschule dauert vier Jahre, die weiterführende Schule fünf oder acht Jahre – genug Zeit für tragfähige Freundschaften!
3. “Hat mein Kind denn überhaupt keine Chance, die angepeilte Schule zu schaffen?”
Manchmal doch – aber um welchen Preis?
Für Kinder ist die Schule der Beruf; und die meisten Erwachsenen werden unzufrieden, wenn das Leben nur noch aus Beruf besteht. Kindheit braucht Freiheit und Freizeit (und übrigens sogar gelegentliche Langeweile!). Ein Kind, das zum Bestehen in der Schule immer «unter Volllast» läuft, wird kein glückliches Kind. Wenn zum Erfolg (oder zum Überleben!) auf der Schule außer dauernder Arbeit auch noch dauernde Hilfe durch die Eltern erforderlich ist, dann macht die Schule irgendwann die Familie kaputt. Ein gutwilliger Zehnjähriger mag sich noch klaglos durch seine Eltern fördern lassen – ein heftig pubertierender Vierzehnjähriger aber keinesfalls! Sie haben schließlich auch ohne Schule Konfliktfelder genug. Die Schulform muss so gewählt sein, dass (von Ausnahmen und gelegentlicher Hilfe abgesehen) Ihr Kind sie «auf eigenen Füßen» durchstehen kann.
Es heißt, dass in Deutschland pro Woche (!) 17 Millionen Euro allein für außerschulische Lernhilfen ausgegeben werden; wollen Sie dazu etwa beitragen?
4. “Mein Kind soll doch die Chance erhalten. Es kann es doch versuchen auf dem Gymnasium – und wenn’s schief geht, kommt eben der Wechsel zur Realschule!”
Ist das nicht zu kurz gedacht? Wenn ein Kind die Erfahrung macht, eine bestimmte Schulform verlassen zu müssen, weil es den Anforderungen nicht gerecht werden konnte, dann ist das nicht einfach ein Schulwechsel, sondern es wird als persönliche Niederlage erlebt. Es gibt nur wenige Kinder, die so ein Versagens-Erlebnis locker wegstecken, die große Mehrzahl leidet sehr darunter. Neu aufgebaute Freundschaften zerbrechen wieder. Gleichzeitig ist es schwierig, sich wieder in eine andere Klasse einzufinden, die inzwischen feste soziale Strukturen hat. Und es gibt hier und da auch mal die Schadenfreude der Klassenkameraden aus der Grundschule, wenn jemand «zurückkommt».
Vor allem aber: Ein Kind, das die Schule wegen nicht ausreichender Leistungen verlassen muss, hat in aller Regel auf (und an) der Schule gelitten, hat Frustration gegen die Schule aufgebaut und oft Klassenarbeitsangst entwickelt. Schulen berichten immer wieder von Schülerinnen und Schülern, die nach dem Wechsel «zurück» wegen ihrer Versagensängste, ihrer Unlust, ihrer Misserfolgsorientierung in der neuen «leichteren» Schulform nicht Tritt fassen. Nicht selten gibt es Fälle, in denen ein Kind das Gymnasium verlassen muss, von einer Realschule aufgenommen wird und nach einem Schuljahr auch noch zur Hauptschule wechseln muss.
Zur Aufnahme verpflichtet ist übrigens die Realschule Ihres Wohnortes nur am Ende der Erprobungsstufe; in den übrigen Jahrgangsstufen muss nur die Hauptschule Ihres Wohnortes das Kind aufnehmen (solange das Kind der Schulpflicht unterliegt).
5. “Ich sehe das doch in der Firma: ohne Abitur hat man heute überhaupt keine Chancen im Job!”
Richtig ist nur, dass man ohne einen Schulabschluss wirklich schlechte Karten hat. Es muss also darum gehen, Ihr Kind zu demjenigen Schulabschluss zu führen, den es aufgrund seiner Fähigkeiten und Neigungen mit möglichst großer Sicherheit erreichen kann. Das Sprichwort vom Spatzen in der Hand und der Taube auf dem Dach ist bedenkenswert.
Bedenken Sie bitte, was ein Schulabschluss wert ist, der mit Hängen und Würgen so eben noch erzielt wurde. Welche Chancen hat Ihr Kind bei der Bewerbung auf eine Lehrstelle, wenn es z.B. ein miserables Abschlusszeugnis vorlegt?
6. “Der Ruf der Schule ist gut – der Ruf der Schule ist verheerend!”
Der Ruf einer Schule ist erstmal ein Gerücht! Vor allem ist der Ruf aber immer etwas älter als die Wirklichkeit!
Mit dem Ruf ist es wie mit der Börse: Es geht aufwärts und abwärts – und das muss nichts zu tun haben mit den wirklichen Zuständen. Möglicherweise sind die tatsächlichen Zustände schon längst besser als die an anderen Schulen, in denen Probleme unter der Decke schwelen oder erfolgreich unter den Teppich gekehrt worden sind.
Dass der Ruf immer älter ist als die Tatsachen, gilt genauso für die Schulen mit besonders “positivem” Bild in der Öffentlichkeit.
Lassen Sie sich nicht von Gerüchten beeinflussen, sondern verschaffen Sie sich selbst unvoreingenommen Ihren eigenen Eindruck.
7. “Ich kenne das bei meinem Kind: Es geht immer gerne den leichteren Weg, es vermeidet Anstrengungen und ist bequem. Deshalb muss es auf eine Schule, die viel fordert!”
Es gibt Kinder, auf die das zutrifft. Es ist aber zumindest fraglich, ob die Wahl einer besonders anspruchsvollen Schule das richtige Mittel ist, denn die Technik des «leichteren Weges» hat eine Vorgeschichte. Fast alle Kinder sind erst einmal leistungsbereit, freuen sich über ihre Lernfortschritte und das Gelingen, später über gute Noten. Aber manche Kinder machen die Erfahrung, dass sie mit viel Aufwand nur das erreichen können, was manche Klassenkameraden mühelos und ohne sichtbare Anstrengung schaffen. Da ist es eine verständliche Reaktion, sich mit mäßigen Leistungen zu begnügen.
Man erlebt oft, dass Kinder, die sich durch die Grundschule ziemlich hindurch gequält haben, auf der Real- oder Hauptschule regelrecht «aufdrehen». In der schmaleren Konkurrenzgruppe fällt es ihnen nämlich leichter, Leistungen zu bringen, es kommt mal eine «3» oder «2» zustande – und oft genug ist plötzlich die Freude an der Leistung wieder da, manchmal sogar Ehrgeiz.
Daran erkennen Sie: Es kommt darauf an, die für Ihr Kind richtige Entscheidung zu treffen, und das fällt in Ihre Zuständigkeit und Verantwortung. Wir beraten Sie gern auf dem Hintergrund der Informationen, die Sie uns zugänglich machen, sowie aufgrund unserer pädagogischen Erfahrung. Eines verbindet uns dabei mit Ihnen, nämlich der Wunsch, dass Ihr Kind durch eine gute Schullaufbahnentscheidung zum dem Erfolg kommen soll, den es aufgrund seiner Interessen und seiner Begabung erreichen kann.



