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Geschichte der Zitadelle Jülich

von Jörn Wangerow 9D

Schaut man sich ein aktuelles Luftbild der Stadt Jülich an, erkennt man auf den ersten Blick die Zitadelle. „Sie liegt fast im Stadtkern Jülichs. Im 16.Jahrhundert, zur Zeit ihrer Errichtung und in den dreieinhalb folgenden Jahrhunderten befand sie sich eher noch am Rande der Stadt.“ (Dr. Heinz Renn, Zitadelle Nr. 2, 1970)

Relief Jülich und Zitadelle (an der Pasqualini-Brücke)

Nach einem Stadtbrand im Jahre 1547 wurde Jülich nach idealen Gesichtspunkten und modernsten Erkenntnissen der Festungsbau-kunst wieder aufgebaut. Dicke Wallmauern, die auch dem Beschuss durch Geschütze standhalten konnten, und vier Bastionen sowie der Zitadelle im Norden umschlossen die Stadt. Rund 35 Jahre hat man für die Fertigstellung von Zitadelle, Schloss und Stadtfestung gebraucht. Oft waren nicht die Jülicher Herzöge Herren der Festung: 1610 quartierten sich dort kaiserliche Truppen ein, ihnen folgten niederländische und ab 1622 spanische, die im Zuge des Dreißigjährigen Krieges nach Jülich kamen.

Pieter Snayers' Ölgemälde der Belagerung Jülichs 1621/22 (heute im Museum Zitadelle)

Erst 1660 verließen die Spanier Jülich. Die Zitadelle hat die Belagerungen und Eroberungen recht gut überstanden. Im 18. Jahrhundert wurde sie modernisiert und weiter ausgebaut. Die Außenwerke und Bastionen wurden verstärkt, das als Kaserne genutzte Schloss im Westflügel tiefer gelegt und der Innenhof nach einem Schlossbrand umgebaut. Die herrlichen Arkaden verschwanden.

Im 18.Jahrhundert kam es wieder zu Belagerungen durch französische Truppen, endgültig eingenommen wurde die Stadt 1794 durch französische Revolutionstruppen. Unter Napoleon wurde der Jülicher Brückenkopf gebaut, der den Rurübergang schützen sollte, und zwei Pulvermagazine. Eins davon wurde auf der stadtseitigen Zitadellenbastion IV (St. Johannes) errichtet, das andere im Brückenkopf. Weitere große Ausbaupläne, u. a. mit Festungsanlagen auf der Merscher Höhe, konnten die Franzosen wegen der Niederlage Napoleons nicht verwirklichen. Dies gelang teilweise erst den Preußen, die ab 1815 neue Herren von Jülich wurden. In der preußischen Zeit wurde die Zitadelle von zahlreichen Veränderungen geprägt. Die einstigen Zugbrücken an der Nord- und Südseite der Zitadelle wurden durch Dämme ersetzt und der Wallgraben mit Ellbachwasser geflutet.

1860 kam es zum endgültigen Ende der Festung Jülich, weil sie der modernen Geschütztechnik nicht mehr standhalten konnte. Die Bastionen und Wälle der Stadtfestung wurden gesprengt bzw. geschleift. Die Zitadelle selbst blieb erhalten, wenn man von einigen Beschießungen der nordwestlichen Bastion absieht. Obwohl inzwischen vermauert, kann man die Spuren dieser Beschießung heute noch an der Wallmauer ablesen. Als Ersatz für den Verlust des Status als Festungsstadt erhielt Jülich eine Unteroffiziersschule. Sie nutzte die Räume im Schloss in der Zitadelle und blieb bis zum Beginn des 1. Weltkrieges. Am Ende des 1.Weltkrieges folgte eine zehnjährige Besatzungszeit, zunächst durch Franzosen, dann durch Belgier.

Luftaufnahme vom Schloss aus dem Jahr 1938

Gegen Ende des 2.Weltkrieges „gab es für Jülich ein furchtbares Finale“.* Am Donnerstag, dem 16. November 1944, wurde Jülich bei einem Luftangriff mit Flächenbombardement zu 98 Prozent zerstört, auch die Zitadelle und das Schloss wurden schwer beschädigt. Nach 1945 erfolgte der Wiederaufbau der historischen Stadt. Die Bürgerschaft hatte sich entschieden, Jülich komplett nach dem Vorbild der Renaissance wieder aufzubauen. Die Zitadelle wurde mit dem stark zerstörten Schloss 1965 an das Land NRW verkauft, weil dieses für das Staatliche Gymnasium Jülich einen neuen Standort suchte und man sich für die ungenutzte Zitadelle entschieden hatte. Deswegen konnte das Schloss zumindest teilweise – der Ostflügel – aus denkmalspflegerischen Gründen wieder aufgebaut bzw. restauriert werden. 1969 begannen die Bauarbeiten für das neue Schulgebäude in der Zitadelle, 1970 war Richtfest und 1972 konnte die Schule ihr neues Schulgebäude beziehen.
Von dieser Zeit an wurde die Zitadelle immer mehr erforscht und inzwischen zum Treffpunkt vieler Kunst- und Geschichtsfreunde. Pünktlich zur Landesgartenschau 1998 erreichte die Zitadelle den tollen Zustand, in dem wir sie heute kennen.

Wer mehr über die Zitadelle wissen möchte, dem empfehle ich die Bücher von Hartwig Neumann.

überarb. v. W. Gunia
weitere Buchempfehlung: Guido von Bühren

Weitere Links zur Zitadelle:

Wikipedia [1]

die Stadt Jülich [2]