Wie wird eine Stadt sicher für alle Verkehrsteilnehmenden? Mit dieser grundlegenden Frage startete die Klasse 6a im Physikunterricht unter der Leitung von Herrn Wahlen in ein praxisnahes Projekt. Um die theoretischen Gesetzmäßigkeiten der Optik und Elektrizitätslehre nicht nur im Lehrbuch zu studieren, bauten die Schülerinnen und Schüler zunächst im Physikraum eine eigene Modellstadt auf. Im ersten Themenblock stand fortan die Verkehrssicherheit am Beispiel der Optik im Fokus. Anhand der Modellstadt untersuchte die Klasse die geradlinige Lichtausbreitung im Raum sowie das Reflexionsgesetz und erarbeitete, wie Verkehrsspiegel eingesetzt werden können, um unübersichtliche Kreuzungen der Modellstadt einsehbar zu machen. Auch potenzielle Gefahrenquellen durch Lichtstreuung und den Schattenwurf von Gebäuden wurden analysiert. Dass diese modellhaften Überlegungen eine ganz reale Bedeutung haben, zeigte sich bei einem anschließenden Unterrichtsgang in der direkten Umgebung der Schule.
Die Klasse inspizierte den Verkehrsspiegel an der Ecke Linnicher Straße/Aachener Straße und stellte prompt fest, dass dieser beschädigt war. Da dieser blinde Fleck im Straßenverkehr ein Risiko darstellte, reagierten die Sechstklässler und verfassten einen Brief an das zuständige Straßenverkehrsamt mit der Bitte, den defekten Spiegel auszutauschen. Von der zuständigen Straßenverkehrsbehörde gab es dafür ein großes Lob: „Der Informationsaustausch zwischen der Aktion der Schulklasse und unserer Behörde war überaus zielführend.“ Keine Woche nach dem Austausch war der Spiegel bereits durch einen neuen ersetzt. Auch die Schulleiterin Frau Dr. Körver zeigte sich begeistert von dem Erfolg: „Die Aktion zeigt, wie wichtig es ist, mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Dass das Amt prompt reagiert hat, ist höchst erfreulich, weil es die Kinder darin bestärkt, umsichtig zu agieren, statt Missstände künftig nur achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen. Schön, dass unsere Kinder angehalten werden, für die Sicherheit tätig zu werden.“
Zurück im Klassenzimmer widmete sich das Projekt dem zweiten Schwerpunkt: der Elektrik. Um die Modellstadt auch bei simulierter Dunkelheit sicher zu gestalten, planten und erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler eine funktionierende Straßenbeleuchtung. Beim Bau der einfachen Schaltkreise diskutierte die Klasse die Vor- und Nachteile verschiedener Schaltungsarten. Während eine Reihenschaltung zwar einfach zu verkabeln ist, stellte sich schnell heraus, dass sie für eine Stadt ungeeignet ist, da beim Ausfall einer einzigen Laterne das gesamte Viertel im Dunkeln versinken würde. Die technisch aufwendigere Parallelschaltung erwies sich als die richtige Wahl, da hier jede Lampe unabhängig und mit voller Intensität leuchtet. Mit dem erfolgreichen Einbau der Parallelschaltung war das Projekt in der Modellstadt abgeschlossen. Am Ende zeigte sich, dass die Antwort auf die Frage nach einer sicheren Stadt nicht nur in der richtigen Wahl der technischen Schaltkreise im Klassenzimmer liegt. Erst durch den direkten Blick auf die reale Kreuzung an der Aachener Straße und das Handeln der Klasse wurde aus der Unterrichtsreihe am Modell ein handfester Beitrag zur Unfallverhütung im eigenen Schulumfeld.
I. Wahlen




