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Ein Fundstück mit doppeltem Boden: Literaturkurs begeistert mit Oscar Wilde (mit Bildergalerie)

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Wenn ein einfacher Koffer auf einem Bahnhof zum Dreh- und Angelpunkt einer gesellschaftlichen Farce wird, befindet man sich mitten in Oscar Wildes Komödie „Ernst ist das Leben (Bunbury)“. Der Literaturkurs der Oberstufe brachte die moderne Übersetzung von Elfriede Jelinek an gleich zwei Abenden, am 11. und 12. Juni 2026, auf die Bühne des Theatersaals. Gekonnt und mit spitzer Feder führte die Inszenierung vor Augen, wie schnell der äußere Schein über echte Aufrichtigkeit triumphiert – eine zeitlose Mechanik, die nicht zuletzt angesichts selbstdarstellerischer Social-Media-Auftritte auch in der Gegenwart bestens funktioniert. Unter der Regie von Mandy Tavernier mündete die monatelange Probenarbeit in ein rund 120-minütiges Theatererlebnis, das durch präzises Zusammenspiel und sprachlichen Witz glänzte.

Die Aufführung nahm das Publikum mit auf eine rasante Reise durch drei Akte: Von Algernons eleganter Londoner Wohnung über den sommerlichen Rosengarten auf Jacks Landsitz bis hin zum finalen Showdown im dortigen Salon. Eine besondere Herausforderung meisterte der Kurs dadurch, dass die Hauptrollen in einer Erst- und einer Zweitbesetzung (aufgeteilt auf Donnerstag und Freitag) gespielt wurden. Kerim Demirtas und Max Hölmer gaben den impulsiven und leidenschaftlichen Jack Worthing, der unter dem Decknamen Ernst ein Doppelleben führt, bis sein Konstrukt durch die Heiratspläne mit der selbstbewussten Gwendolen (Hanna Stefanska und Jana Hessling) ins Wanken gerät. Jonas Neumann und Lukas Berberich überzeugten als zunächst souveräner und scheinbar unterkühlter Algernon Moncrieff, der sich auf dem Land kurzerhand als Jacks erfundener Bruder Ernst ausgibt und sich Hals über Kopf in die rebellische und eigenständige Cecily (Jana Gad und Tamina Riewe) verliebt. Als strenge Lady Bracknell brillierte Maila Boner, die die Heiratsfähigkeit der Kandidaten unerbittlich und mit scharfer Zunge in Frage stellt.

Für anhaltende Lacher sorgte die Dynamik zwischen Yannis Kieven als Miss Prism und Koray Kaman als Dr. Chasuble. Auch die Nebenrollen waren mit Niklas Steinecke (Lane) sowie Albiona Memeti und Arlinda Ali (Merriman) pointiert besetzt und bereicherten das Geschehen auf der Bühne spürbar. Ein derart umfangreiches Projekt lebte jedoch nicht nur von den Personen im Rampenlicht. Die Regieassistenz von Yannis Kieven und Caroline Forst sorgte hinter den Kulissen für reibungslose Abläufe. Das reduzierte Bühnenbild, welches die verschiedenen Handlungsorte von der Stadt bis aufs Land greifbar machte, stammte aus den Händen von Arlinda Ali, Albiona Memeti, Jan Töpfer, Lia Kunze, Nassim Alawieh, Myron Kirschner und Ilarah Kamps. Sie brachten mithilfe mehrerer Holzquader auch den Namen ERNST auf die Bühne, was die Zuspitzung der Handlung visuell unterstrich. Tim Butzküven, Valentin Hannig und Lauri Nastasi rückten das turbulente Treiben durch passgenaue Licht- und Tontechnik ins rechte Licht.

Im dritten Akt fügen sich im Landhaus schließlich alle Puzzleteile zusammen. Ein lang gewahrtes Geheimnis bahnt sich seinen Weg und stellt die scheinbare Wahrheit völlig auf den Kopf. Damit löst sich auch das Rätsel um den ominösen Bahnhofskoffer auf, der nicht nur Jacks wahre Identität lüftet, sondern auch den Weg für gleich drei glückliche Paare ebnet. So schloss sich der Kreis eines rundum gelungenen Theaterabends, der das Publikum durch enormes Engagement, starke schauspielerische Leistungen und viel Spielfreude bestens unterhalten entließ.

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