Ein Hansdampf in allen Gassen
Abiturjahrgang 1981
Wolfgang Gunia
Mit einem Paukenschlag verabschiedete sich Elmar Fuchs, Abiturjahrgang 1981, von seiner Schule, und zwar ausgerechnet bei der Abiturentlassungsfeier. Was war geschehen? Elmar trug als Sprecher die von acht Abiturient(inn)en verfasste Schülerrede vor. Und diese Rede hatte es in punkto „konstruktiver Kritik“ in sich. Mangelnde Demokratie an der Schule, mehr Konkurrenz-und Bürokratieverständnis als Demokratieverständnis. Menschlichkeit bleibt auf der Strecke …. Das waren nur einige Vorwürfe. Erstmalig berichtete sogar die BILD-Zeitung von einer turbulenten Abiturfeier des Gymnasiums Zitadelle der Stadt Jülich (s. „Die Zitadelle“, Heft 41, S.102).
Mit dem Reifezeugnis in der Hand studierte Elmar Fuchs nun in Bonn und Köln Rechtswissenschaften und schloss die Ausbildung 1989 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen ab.
Aber zurück zur Zitadelle: Das Bauwerk hatte schon zu Schulzeiten eine immense Anziehungskraft. Inspiriert unter anderen von Hartwig Neumann, dem bekannten Jülicher Festungsforscher, gründete er – Geschichte war eins seiner Leistungskursfächer – im Rahmen der Jungen Union Jülich einen Arbeitskreis Zitadelle. Hier wurden Ideen für eine denkmalgerechte Gestaltung und Sanierung der Jülicher Festungsbauten entwickelt und Forderungen aufgestellt, wie Stadt und Land sachgerechter mit der Zitadelle umgehen sollten. Einige Zeit später schlossen sich mehrere Zitadellenarbeitskreise zum „Bürgerbeirat Historische Festungsstadt Jülich“ zusammen, in dem Fuchs bis heute im Vorstand arbeitet.
Aber der Beruf führte ihn zunächst weg von Jülich, über Bonn und Düsseldorf nach Berlin, wo er 15 Jahre mit seiner Familie lebte. Zwischen 1990 und 1993 befasste er sich schwerpunktmäßig mit dem Bauvergaberecht und betreute von Berlin aus für den Hauptverband der deutschen Bauindustrie ostdeutsche Bauunternehmen in Fragen des zivilen und öffentlichen Baurechts.
1993 wechselte er als Geschäftsführer zum Bundesverband der freiberuflichen und unabhängigen Sachverständigen für das Kraftfahrzeugwesen nach Düsseldorf. Als Geschäftsführer führte er den Verband als ersten Bundesverband überhaupt vom Rhein an die Spree, wo der BVSK bis heute seinen Sitz hat. Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer eines Bundesverbandes betreibt Elmar Fuchs heute eine ausschließlich verkehrsrechtlich geprägte Anwaltskanzlei. Seit vielen Jahren bereits gilt er als einer der profiliertesten Verkehrsrechtsanwälte Deutschlands.
Zudem ist er geschäftsführender Gesellschafter der Firma autorechtaktuell.de GmbH & Co. KG, die juristische Informationen für Kfz-Betriebe und Rechtsanwälte aufbereitet und die sich überdies als größter Spezialanbieter für Schulungen im Verkehrsrecht mit der Zielgruppe der Kfz-Betriebe etabliert hat.
Schulungen werden heute angeboten zwischen Flensburg und Bodensee, zwischen Aachen und Frankfurt/Oder, so dass er sein Hauptbüro, das sich nun in Potsdam be¬findet, nur noch gelegentlich sieht.
Insgesamt sechs weitere Rechtsanwälte sorgen dafür, dass die bundesweite Betreuung der Kunden und Mandanten aufrechterhalten werden kann.
Aber irgendwann rief doch die Heimat zurück, zu der er stets Kontakte hielt und pflegte. Mit seiner inzwischen fünfköpfigen Familie zog er wieder nach Jülich. Zwar bleibt sein beruflicher Hauptsitz Potsdam, aber seine Töchter – zwei von ihnen haben bereits Abitur – vertraute er nach dem Umzug in die alte Heimatstadt Jülich bedauerlicherweise dem Haus Overbach und nicht der Zitadelle an. Der einzige Grund für die Wahl des Hauses Overbach lag jedoch darin, dass an der Wunschschule Zitadelle die Fächerkombination der Berliner Schulen nicht angeboten wurde.
Die dritte Tochter besucht nun das Mädchengymnasium Jülich, so dass es zumindest in dieser Generation keine Wiederholung einer Fuchs’schen Abiturrede an der Zitadelle geben wird.
Aber Geschäftsführer, Rechtsanwalt und Familienvater sind nur einige Seiten von ihm. Es gibt noch eine andere, die ihn seit seiner Schulzeit nie ganz los ließ und die für ihn jetzt ganz wichtig geworden ist. Und hier schließt sich der Kreis zum Beginn mit dem Paukenschlag bei der Abiturfeier: Schulleiter Tichlers forderte in seiner Ansprache, die er vor der Rede der Abiturienten hielt, die sich bildenden Persönlichkeiten müssten bereit sein, sich in die politische Meinungsbildung einzubringen, bereit sein, eigene Verantwortung zu übernehmen … Und dies setzte Abiturient Fuchs sehr intensiv um: Zunächst in der Jungen Union Jülich, die er aktiv mit leitete, später dann in der Partei in Jülich. Auch in den Jahren im fernen Berlin verfolgte er die Kommunalpolitik in Jülich sehr genau. Nach seiner Rückkehr nach Jülich dauerte es folglich nur kurze Zeit, bis er wieder aktiv in die Jülicher Kommunalpolitik eingriff und den Vorsitz der Jülicher Christdemokraten im Jahr 2009 übernahm und zusätzlich den Vorsitz des Aufsichtsrates der Brückenkopfpark GmbH. Wie es mit seiner politischen Aktivität weiter geht, er wurde gerade 50, bleibt abzuwarten.
Übrigens mit Heinz Tichlers hat er sich inzwischen auf einem Ehemaligentreffen ausgesöhnt.
Als echter Jülicher hat er natürlich auch ein Herz für das heimische Brauchtum, insbesondere für den Karneval. Man findet ihn im Elferrat der KG Ulk Jülich und als Senator in verschiedenen Jülicher Gesellschaften.