Der Nationalsozialismus und der Antisemitismus sind Themen, die uns heute bekannt sind. Es war eine grauenvolle und für uns unvorstellbare Zeit für Millionen von Menschen. Wie aber ein kleiner jüdischer Sportverein aus Jülich diese inhumane Zeit eine kurze Weile überstehen konnte, durfte der Geschichte-Zusatzkurs von Herrn Neumann am 14. Dezember 2018 im Schlosskeller der Zitadelle Jülich durch einen für die Schüler sehr informativen Vortrag von Frau Richter, Mitarbeiterin des Jülicher Museums, erfahren.
In den letzten Wochen beschäftigten wir uns im Unterricht mit der Reichspogromnacht und den schlimmen Ereignissen zur NS-Zeit.
Dabei war es interessant durch Fr. Richter zu hören, dass es auch positive Ereignisse aus dieser Zeit gab. David Hark sagte dazu reflektierend später: „Sehr schön war es, mal etwas anderes über Juden zu erfahren als immer nur die negativen Ereignisse der Judenverfolgung.“
Die von Fr. Richter konzipierte Ausstellung informierte uns über die Bedeutung von sportlichen Aktivitäten in Jülich im Zeitraum von 1861 bis zur Reichspogromnacht am 09.11.1938. Es ist ein Thema, das uns Schüler sehr angesprochen hat, weil es von Sport und jungen Menschen handelt.
Ab 1861 wurden in Jülich die ersten Sportvereine, z.B. Turnvereine oder die heutigen Fußballvereine Jülich 10 und Jülich 12, gegründet. Ca. 15% der Jülicher Bevölkerung waren damals Mitglied in einem Sportverein. Das brachte Christian Schröder zum Nachdenken: „Beeindruckend finde ich, dass, obwohl nur 1% Juden in Jülich lebten, sie es trotzdem geschafft haben, eine so erfolgreiche Mannschaft zusammenzustellen.“
Ab den 1920er Jahren begann die Blütezeit für den jüdischen Sport, nicht nur in Jülich, sondern im gesamten Deutschen Reich. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde in Jülich der Jüdische Jugend–Verein (J.J-V) mit Hugo Voss als Vorsitzenden gegründet. Das Ziel dieses Vereins war die Vermittlung jüdischer Traditionen und die Stärkung der jüdischen Gemeinschaft. 1928 schloss sich der im Faustball erfolgreiche J.J.-V dem „Verband der jüdischen neutralen Turn- und Sportvereine“ (VINTUS) an. Faustball ähnelt dem heutigen Volleyball. Der J.J.-V, der ein eigenes Vereinsheim besaß, stiftete 1929 einen Faustball-Wanderpreis für den VINTUS Verband. Diesen gewann die Jülicher Faustballmannschaft 1929, 1930 und 1932. Der Pokal ist in der Ausstellung im Schlosskeller der Zitadelle ausgestellt. „Es war nicht nur beeindruckend zu sehen, wie weit es ein städtischer Verein geschafft hat, sondern vor allem, dass es genau hier in Jülich war, wo wir gerade Unterricht haben“, so Lina Kaldenbach.
Nach der Machtergreifung 1933 wurde es für die Juden allerorten schwer, Sport zu treiben. Doch in Jülich gehörten die Sportplätze den Vereinen, wodurch es im Gegensatz zu anderen Städten Juden weiterhin möglich war, ihrem Sport nachzugehen. Jedoch war der VINTUS Verband zu klein, so dass sich der J.J.-Verein zu Hakoah-Jülich umbenannte und sich dem Makkabi-Verband anschloss. Dies ermöglichte den Jülicher Juden ihren größten Erfolg. Sie gewannen am 12.August 1934 im eigenen Stadion die Westdeutschen Meisterschaften im Faustball. Mit der Reichspogromnacht am 9.November 1938 endet die kurze Blütezeit des jüdischen Sports im gesamten Deutschen Reich, so auch in Jülich. Die Jülicher Synagoge wurde geschändet und das Vereinsheim des J.J.-V zerstört.
Der Geschichte-Zusatzkurs von Herrn Neumann bedankt sich bei Frau Richter für diese sehr informative und interessante Begleitung und empfiehlt einen baldigen Besuch der Sonderausstellung im Schlosskeller der Zitadelle.
Melanie K. (Q2)





