Am 21. Januar, dem Vortag des deutsch-französischen Tages, hatte unsere Schule die besondere Gelegenheit, das französische Chanson-Duo Les Sales Gosses bei uns willkommen zu heißen. Im Pädagogischen Zentrum fand ein rund zweistündiger Musikworkshop mit über 70 Schülerinnen und Schülern ab der 7. Klasse statt, an dem auch ich als Schülerin der 12. Klasse teilnehmen durfte. Bereits zu Beginn war ich beeindruckt, wie gut die beiden Musiker aufeinander eingespielt waren. Ihr Zusammenspiel wirkte sehr natürlich, lebendig und harmonisch, ebenso wie ihr Umgang mit der französischen Sprache. Sie traten locker und humorvoll auf, machten Witze und schafften es gleichzeitig, uns immer wieder zu motivieren, aktiv mitzumachen. Besonders beim Erlernen von Bodypercussion und Gesang nahm ihr aufgewecktes und fröhliches Auftreten schnell die erste Scham und sorgte für eine ausgelassene, positive Stimmung in der Gruppe.
Das Französische des Duos war für mich gut verständlich. Sie sprachen nicht zu schnell und bemühten sich, schwierige Wörter durch deutsche Synonyme zu erklären. Unterstützt wurden sie dabei von den betreuenden Lehrkräften Frau Buse, Frau Schröder und Frau Scheins, die vor allem Schülerinnen und Schüler im ersten Jahr des Spracherwerbs zeitweise mit Übersetzungen halfen. Besonders hilfreich war, dass Fragen aus dem Publikum stets noch einmal im korrekten Französisch wiederholt wurden, was das allgemeine Verständnis deutlich förderte.
Der Workshop begann mit einer kurzen Vorstellung des Duos, zu der auch ein Lied von ihnen gehörte. Anschließend bekamen wir die Gelegenheit, unser Französisch durch Interviewfragen zu erproben, z.B. zu ihrer Musikerlaufbahn oder ihrer Heimat, der Bretagne. Danach sangen wir gemeinsam das Chanson, an dem wir im weiteren Verlauf intensiv arbeiten sollten und das später auch mehrstimmig sowie gemeinsam mit dem Schulorchester aufgeführt werden würde. Um zunächst ein Gefühl für das Lied zu bekommen, sangen wir es einmal gemeinsam. Die von Frau Buse im Voraus ausgeteilte deutsche Übersetzung trug dabei wesentlich zum Textverständnis bei. Darauf folgten verschiedene Übungen zum Lockerwerden und zum Training der Stimme, bevor wir uns der Mehrstimmigkeit widmeten. Die Gruppe wurde in zwei Teile geteilt: eine Stimme sang höher, die andere tiefer. Überraschenderweise war dies gut umsetzbar, nicht zuletzt dank der geduldigen Unterstützung und Anleitung.
Inhaltlich handelt das Chanson von einer einsamen Blume, die auf die einzige nektarsammelnde Biene trifft. Aus dieser Begegnung entsteht ein natürlicher Kreislauf: Blume und Biene ergänzen einander, vermehren sich und entwickeln schließlich einen gemeinsamen Gesang, der sinnbildlich für einen immer wiederkehrenden Zyklus des Lebens steht. Diese poetische Bildsprache machte das Lied besonders eindrucksvoll. Ich hatte das Gefühl, den Text gut verstanden zu haben, was sowohl an der musikalischen Umsetzung als auch an der Übersetzung lag. Das mehrstimmige Singen empfand ich als sehr schön und verbindend, da aus vielen einzelnen Stimmen ein gemeinsames Ganzes entstand.
Ich bin mit einem sehr guten Gefühl aus dem Workshop gegangen. Neben musikalischen Erfahrungen habe ich vor allem mitgenommen, dass Sprache auf eine ganz andere, lebendige Weise erlebbar wird, wenn sie mit Musik und Bewegung verbunden ist. Solche Ateliers zeigen, dass Französisch nicht nur ein Unterrichtsfach ist, sondern Teil einer Kultur, die man aktiv erfahren kann. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet ein Projekt wie dieses Motivation, Gemeinschaft und einen neuen Zugang zur Sprache; für mich persönlich war es eine bereichernde und inspirierende Erfahrung. Zum historischen Hintergrund und den pädagogischen Intentionen sei hier noch auf den HERZOG-Artikel zu unserer Veranstaltung verwiesen:
Ich würde mir sehr wünschen, dass mehr solcher kreativen Projekte an unserer Schule stattfinden. Besonders im Rahmen der deutsch-französischen Freundschaft bieten sie eine wertvolle Möglichkeit, Sprache, Musik und kulturellen Austausch miteinander zu verbinden und nachhaltig im Schulalltag zu verankern.
Elena Nastasi (Q1)




