Klangfeuerwerk der Emotionen – unser Sommerkonzert 2026 (mit Bildergalerie)

Was macht ein äußerst gelungenes Konzert aus? Seine Musik bewegt – mal lässt sie uns fliegen, schweben und träumen, ein anderes Mal setzt sie Akzente, entzündet ein Feuerwerk aus Tönen, Rhythmen und gewagten Harmonien. Ein solches Kaleidoskop klanglicher Fülle und Vielfalt bot uns das diesjährige Sommerkonzert am 03.07.2026. Zum Auftakt sprengte bereits das Vororchester unter der Leitung von Viviana Gerstengarbe alle Genre-Grenzen: Zu den heroischen Klängen von „Star Wars“ katapultierten die jüngsten Mitwirkenden das Publikum in ferne Galaxien und überzeugten durch kraftvolles, marschierendes Spiel.

Doch der galaktische Klang wich schnell den träumerischen Melodien von „My Father’s Favorite“ aus „Sinn und Sinnlichkeit“, welches gefühlvoll interpretiert wurde. Mit „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ aus dem „Dschungelbuch“ brachten die jungen Talente nun schließlich den Saal zum Wippen und zeigten, dass Musik am besten mit einer ordentlichen Portion Lebensfreude serviert wird. Im Anschluss führte der Zitadellenchor, bestehend aus Erziehungsberechtigten und Lehrkräften unserer Schule, das Publikum aus der Welt des Soundtracks hin zu den leisen und intimen Momenten des Swings und der großen Balladen. Mit „Only you“ im A-cappella-Sound, Disneys „Can you feel the love tonight“ und das an Aufrichtigkeit appellierende „True Colors“ von Cindy Lauper schufen starke Stimmen durch sanfte Töne ein Erlebnis musikalischer Verbundenheit. Ein herzliches Dankeschön hier auch an Olessia Zaklikivska, die den Chor am Klavier begleitete.

Mit Spannung erwartet wurde nun das Debüt der Schulband HAJO, die von Schüler:innen der Q1 gegründet wurde und mit der Hymne der Hippie-Bewegung, „Carlifornia Dreamin‘“ eine authentische Flower-Power-Nostalgie herbeizauberte. Unterstützt wurde dies durch eine erweiterte Band-Instrumentierung mit akustischer Gitarre und Schellenkranz im Stil des 60er-Jahre-Folk-Rocks. Evgenia Ermolenko brachte die wehmütige Stimmung des „grauen Wintertages“ mit ihrer warmen, präzise intonierten Stimme sehr passend zum Ausdruck. Was jedoch nun durch den EF-Musikkurs auf die Bühne gebracht wurde, war ein mehr als überraschender Kontrast: Eine vielstimmig intonierte, von rhythmisch-tänzerischen Impulsen geprägte, schnelle Musik huschte gleich flackernden Lichtimpulsen über die reich besetzte Bühne und formte sich zusehends zu kompakten, mitreißenden Rhythmen mit folkloristisch-jazzigen Melodien. Hier erklang ein Tanzlied in ukrainischer Tradition, eine Komposition der Künstlergruppe Vesolovsky Project, die das historische Erbe des in den 30er Jahren berühmten ukrainischen Komponisten Bohdan Wesolowsky mit modernen Jazz- und Popelementen kombiniert, um es auch im Internet einem internationalen Publikum zugänglich zu machen. Übersetzt heißt das Lied in etwa „Scherze nicht mit der Liebe“: Liebe ist nichts, was man kontrollieren kann, mal kommt sie ruhig, mal überraschend intensiv – was die Musik hervorragend spiegelt, man kann nichts vorhersehen, es geschieht einfach. Die Schülerin Mirra Tsigenov brachte als Höhepunkt durch ihren warmen, erzählenden Gesangsstil den entscheidenden Ausdruck ins Lied – man fühlt, worum es geht, auch wenn man den Text nicht versteht. Als würde die Liebe selbst sich wieder als Verbündete und unerschütterliche Vertraute zurückmelden wollen, trat sie in Form des Liedes „Nothing’s gonna stop us now“ von Starship, vorgetragen durch den Q1-Musikkurs, in Erscheinung. Der kraftvolle Duett-Gesang von Bilal Avci und Evgenia Ermolenko erzeugte für uns Hörer mit Metaphern wie „We can build this dream together“ ein Gefühl von grenzenlosem Vertrauen in die Zukunft, ein Markenzeichen der Rock-Pop-Powerballaden der späten 1980er. Bunt, laut und voller Energie, so erklang dazu passend auch die Musik des begleitenden Musikkurses.

Doch nun hieß es: Bühne frei für den Chorgesang! Den Auftakt der von Irina Lennartz geleiteten Ensembles gestaltete der energievolle Juniorchor. Mit dem Song „Rocken das Haus“ – bekannt aus dem Film „Die zauberhaften Schwestern“ – machten die jungen Sänger:innen ihrem Namen alle Ehre. Gemeinsam mit dem Klassiker „Love grows“ präsentierten sie nicht nur bekannte Ohrwürmer mit beeindruckender Textsicherheit, sondern sprühten vor solcher Singfreude, dass der Funke auf das Publikum übersprang und dieses gegen Ende den Refrain mitsang. In neuem, edlem Glanz einen Popklassiker erstrahlen lassen – dies gelang anschließend dem Mehrstimmigen Chor mit „Break my heart“ von Dua Lipa. Die einzelnen Register verschmolzen zu einem facettenreichen Gesamtklang, der das Publikum in eine moderne und doch feinsinnige Klangwelt entführte und den elektrisierenden Puls des Originals in ein filigranes Klanggewebe verwandelte. Schwungvoll und groovend ging es zum Abschluss des ersten Konzertteils: Der Gemischte Chor aus den Klassen 7 bis Q1 übernahm das ganze Podium und heizte mit seiner Interpretation der gefühlvollen Ballade „Back for Good“ (Take That) und dem lebensfrohen „Fresh“ von Kool and the Gang dem Publikum noch einmal richtig ein – ein Frische-Kick, der alle begeisterte und neugierig auf die noch kommenden Höhepunkte machte.

Ein mitreißender Start in die zweite Konzerthälfte gelang nun der Let’s Swing Group. Auf vielfachen Wunsch präsentierten sie erneut ihre Swing-Interpretation von „Hit me Baby one more time“, die sie bereits auf der Poetry-Slam-Veranstaltung dargeboten hatten. Besonders die beiden Sängerinnen Irina Lennartz und Carmen Abadoma zogen das Publikum in ihren Bann. Ihr Gesang fing die ganze Zerrissenheit des Songs ein: den großen Schmerz des Verlassenwerdens und die Hoffnung auf ein Wiedersehen. Ein künstlerisch starker Moment, der die emotionale Tiefe des Popklassikers auf ganz neue Weise zeigte. Monumental wurde es dann mit dem Auftritt des Schulorchesters unter der Leitung von Pedro Obiera und Bernhard Wille. Mit „Mars“, dem Kriegsbringer aus den „Planeten“ von Gustav Holst, zog eine unheilvolle, martialische Kraft in das PZ ein, hervorragend akzentuiert durch marschartige Rhythmen und das fanfarenartige Spiel der Blechbläser. Doch die drohende Dunkelheit wich bald dem heroischen Aufbruch in der Filmmusik zu „How to train your dragon“: Wo eben noch Kriegsmärsche herrschten, übernahm nun die Abenteuerlust der Drachenreiter das Zepter. Den krönenden Abschluss dieser Reise bildete „Rhapsody in Blue“. In Gershwins Meisterwerk verschmolzen die zuvor gehörten Kontraste zu einer neuen, swingenden Freiheit, die Jazz und Klassik so leichtfüßig vereinte, dass der ganze Saal förmlich mitflog. Im traditionellen Finale wurde die Bühne endgültig zum Schauplatz einer musikalischen Vereinigung– und das lieferten alle Beteiligten gemeinsam. In einem fulminanten Arrangement verschmolzen die Welten von Mystery und Fantasy: Die düsteren Synthie-Klänge der Serie „Stranger Things“ trafen auf Motive strahlender Hoffnung aus der Filmmusik zur „Unendlichen Geschichte“. Es war ein wahrhaftiges Klangfeuerwerk, bei dem jeder Musikkurs, jeder Chor und jedes Instrument zum Teil eines großen Ganzen wurde; ein gemeinsames Erlebnis, das die Grenzen zwischen Bühne und Publikum auflöste und die unendliche Geschichte dieses besonderen Sommerabends perfekt abrundete.

C. Buse