Nach dem einwöchigen Schulaustausch nach Frankreich, an dem ich in der 10. Klasse teilgenommen hatte, wollte ich unbedingt nochmal nach Frankreich, und zwar diesmal für eine längere Zeit. Durch den Französischunterricht wurde ich auf das Anzeigenportal des Deutsch-Französischen Jugendwerkes (DFJW) aufmerksam. Beim DFJW gibt es mehrere Programme, die man machen kann. Oft ist es ein 3-monatiger Austausch (Brigitte Sauzay), es gibt aber auch Individualaustausche, die entweder länger oder kürzer dauern. Ich wollte gerne einen einmonatigen Austausch machen, da ich so nicht allzu lange weg bin, aber dennoch einen ersten tiefergehenden Eindruck bekommen würde.
Ich machte mich über das DFJW auf die Suche nach einer Austauschpartnerin und es brauchte einige Zeit, bis ich jemanden gefunden hatte. Zunächst schrieben wir über E-Mail und später telefonierten wir auch. Als wir uns besser kennengelernt hatten und genauere Details abgeklärt hatten, waren wir uns beide sicher, dass wir diesen Austausch machen wollen. Wir kümmerten uns um die organisatorischen Dinge und dann kam der Austausch auch schon schneller als gedacht. Mitte April brachten meine Eltern mich nach Brüssel, von wo aus ich den Zug nach Lyon nahm. Ich war nervös, wie würde meine Gastfamilie sein? Wie die Schule und meine Mitschüler? Wie die langen Tage in der Schule? Werde ich mich mit meiner Austauschpartnerin verstehen? Wird die Kommunikation funktionieren? In Lyon angekommen wurde ich von meiner Austauschschülerin und ihrer Mutter in Empfang genommen und wir fuhren nach Saint-Étienne, wo meine Gastfamilie wohnte. Dort lernte ich dann den Rest der Familie kennen und richtete mich ein.
In meiner Gastfamilie wurde ich mit offenen Armen empfangen und fühlte ich mich direkt wohl. Ich brauchte zwar ein paar Tage, bis ich richtig angekommen war, aber nach wenigen Tagen merkte ich, dass ich mich bereits sicherer in der Sprache bewegte. Vor allem an den ersten Tagen war ich abends sehr müde, da ich viele neue Eindrücken auf einmal hatte. In der Schule traf ich auf eine total offene Klasse, die mich direkt integrierte. Die Fächer in der Schule in Frankreich sind etwas anders als in Deutschland und auch die behandelten Themen. So brauchte ich auch hier etwas Zeit, um mich einzufinden. Meine Schule war riesig. Es gibt ca. 2.000 Schüler dort. Am Eingang musste man mit einer Zutrittskarte durch ein Drehkreuz gehen. Ein weiterer Unterschied der französischen zur deutschen Schule ist, dass es jeden Tag Nachmittagsunterricht gibt, oft bis 17:00 Uhr. Eine Ausnahme ist der Mittwoch, da endet der Unterricht schon mittags. Somit aß ich vier Mal pro Woche in der Schule zu Mittag.
Die Hobbys fanden normalerweise nach der Schule statt, sodass wir oft erst sehr spät zu Abend aßen. Das Abendessen und die Wochenenden waren Familienzeit. Hierbei tauschte man sich vor allem über den Alltag aus. Wie das Mittagessen in der Kantine bestand auch das Abendessen in der Regel aus mehreren Gängen. Meine Gastfamilie gab mir die Möglichkeit viele französische Spezialitäten zu probieren. Froschschenkel waren nicht dabei, dafür aber Crêpe, Quiche, Croque Monsieur, Ratatouille, verschiedene Käsesorten und vieles mehr. Da ich über die Osterzeit dort war, feierte ich mit der Großfamilie Ostern. Hierbei wurde ich auch wieder herzlich willkommen geheißen. In den Ferien zeigte mir meine Gastfamilie viele Dinge in der Region. Zudem fuhren wir für ein paar Tage in den Süden Frankreichs, sodass ich auch eine andere landschaftliche Seite Frankreichs kennen lernen konnte. Aber auch ohne den Urlaub war es eine sehr spannende und ereignisreiche Zeit.
In diesen vier Wochen habe ich nicht nur mein Französisch verbessert, sondern auch viele Erfahrungen gesammelt und einiges fürs Leben gelernt. Ich habe viele neue Eindrücke gewonnen und mich auch persönlich weiterentwickelt. Ich habe eine neue Kultur und neue Leute kennengelernt und Freundschaften geknüpft, die noch lange halten werden. In der Zeit war meine Gastfamilie wie eine richtige Familie für mich. Dadurch habe ich mich sehr wohl gefühlt und auch kaum Heimweh gehabt. Da ich den Alltag einer französischen Familie mitbekommen habe, habe ich das französische Leben hautnah erlebt. Meine Erfahrungen waren somit tiefergehender und authentischer, als wenn man „nur“ als Tourist da ist. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass immer alles super war. Natürlich gab es Momente, in denen ich mir nichts lieber gewünscht hätte, als einfach zu Hause zu sein. Auch gab es ab und zu Missverständnisse und kleinere Uneinigkeiten und auch die langen Schultage empfand ich als anstrengend. Aber trotzdem: Es war eine einmalige, unvergessliche Zeit, an die ich mich noch gerne zurück erinnern werde. Ich habe festgestellt, dass selbst ein Monat schon reicht, um in das französische Leben einzutauchen. Ich kann also jedem nur empfehlen auch so einen Austausch zu machen.
Andrea Daun, EF




